„Das Immunsystem arbeitet zur Pollensaison auf Hochtouren. Heilt mein Tattoo dadurch schlechter ab?“

Zu genau dieser Frage gibt es aktuell (Stand Mai 2026) keine eindeutige wissenschaftliche Antwort, auch die allgemeine Studienlage zur Wundheilung während der Pollensaison ist ziemlich dünn. Schauen wir uns trotzdem mal an, was wir aus der Forschung bisher wissen.

Bei Heuschnupfen reagiert das Immunsystem auf Pollen, obwohl diese eigentlich harmlos sind. Dabei werden Entzündungsstoffe wie Histamin ausgeschüttet – deshalb jucken Augen, Nase oder Haut (Akdis et al., 2011). Gleichzeitig ist auch ein frisches Tattoo Arbeit für den Körper: Die Haut wird verletzt, das Immunsystem startet die Wundheilung und verarbeitet zusätzlich die eingebrachten Farbpigmente (Gonzalez et al., 2016; Kluger, 2017). Allergien aktivieren also das Immunsystem und lösen Entzündungsreaktionen aus und genau diese Prozesse spielen auch bei der Wundheilung eine Rolle (Akdis et al., 2011; Gonzalez et al., 2016).

Soweit erstmal nichts Neues aber was bedeutet das jetzt? Theoretisch könnte eine starke allergische Belastung Einfluss auf die Wundheilung haben. Für leichten Heuschnupfen gibt es aktuell allerdings keine Hinweise darauf, dass Tattoos dadurch schlechter abheilen. Wenn dein Körper jedoch komplett im Stressmodus läuft, also starke Allergieschübe, Schlafmangel, gereizte Haut, Erschöpfung oder Atemprobleme dazukommen, dann kann eine Tattoosession den Körper zusätzlich belasten. Das ist nicht unbedingt gefährlich, aber anstrengender für den Körper. Chronischer Stress und anhaltende Entzündungsprozesse können die Hautregeneration grundsätzlich beeinflussen, auch wenn das speziell für saisonale Allergien bisher nicht eindeutig belegt ist (Gonzalez et al., 2016).

Und genau hier wird es interessant: Diese Frage zeigt ziemlich gut, dass die Wissenschaft nicht immer sofort eine eindeutige Antwort liefern kann. Manchmal muss man Unsicherheiten schlicht aushalten. Diese Unsicherheit ist aber kein Freifahrtschein für pauschale Behauptungen oder Angstmache.

„Das Immunsystem arbeitet gerade mehr“ und „Die Wundheilung funktioniert schlechter“ stehen zwar in Verbindung, sind aber nicht automatisch dasselbe. Der Körper kann grundsätzlich gleichzeitig auf Pollen reagieren und ein Tattoo heilen.

Was bleibt also unterm Strich? Wie eigentlich immer gilt: Lass dich nicht tätowieren, wenn du krank bist oder dein Körper gerade komplett am Limit läuft. Außerdem sollte die Haut selbst unbeschadet sein. Also keine Ausschläge, allergischen Reaktionen oder entzündeten Stellen im Tattoo-Bereich haben. Vorgeschädigte oder entzündete Haut erhöht allgemein das Risiko für Komplikationen beim Tätowieren (Kluger, 2017). Die entscheidendere Frage ist also eher: Wie fit fühlst du dich dabei?

 


 

Akdis, C. A., Agache, I., et al. (2011). Mechanisms of allergen-specific immunotherapy and immune tolerance to allergens. World Allergy Organization Journal, 4(2), 51–67. https://doi.org/10.1097/WOX.0b013e31821103dc

Gonzalez, A. C. O., Costa, T. F., Andrade, Z. A., & Medrado, A. R. A. P. (2016). Wound healing – A literature review. Anais Brasileiros de Dermatologia, 91(5), 614–620. https://doi.org/10.1590/abd1806-4841.20164741

Kluger, N. (2017). Cutaneous complications related to tattoos: 31 cases from Finland. Dermatology, 233(2–3), 100–109. https://doi.org/10.1159/000477175