„Seht ihr? Tattoos schützen vor Hautkrebs!“
In den letzten Tagen kriechen vermehrt selbsternannte Tattoo-Heilpraktiker*innen in die ein oder andere Kommentarspalte und erklären anhand einer einzelnen Studie, Tattoos seien plötzlich ein Schutzschild gegen Melanome. Als Beleg dient der Fachartikel Tattooing and risk of melanoma: a population-based case-control study in Utah aus dem Journal of the National Cancer Institute. Was daraus gemacht wird, ist allerdings keine Wissenschaft, sondern Cherry Picking. Hier wird mit Odds Ratios herumgefuchtelt, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, was sie bedeuten. Das ist nicht nur dumm, das ist gefährlich – das vorsätzliche Zerlegen von Wissenschaft, bis sie ins eigene Narrativ passt.
Dass zwei Dinge gemeinsam auftreten, heißt nicht, dass eines das andere verursacht. Die Studie zeigt keinen kausalen Schutz durch Tattoos. Punkt. Sie beschreibt statistische Zusammenhänge – mehr nicht. Wer daraus eine Schutzwirkung ableitet, hat entweder keine Ahnung von Studiendesign oder verkauft absichtlich Unsinn.
Was die Studie tatsächlich aussagt:
Die beobachteten Effekte lassen sich sehr plausibel durch Verhalten erklären: Stark tätowierte Menschen achten häufiger auf ihre Haut, schützen Tattoos konsequenter vor Sonne, nutzen eher Sonnencreme und haben andere UV-Expositionsmuster. Mehr Tattoos bedeuten nicht mehr biologische Magie, sondern mehr Aufmerksamkeit für Haut, Sonne und Risiken.
Kurzfassung für alle, die nur Überschriften lesen:
Nicht die Tinte schützt dich. Sonnencreme schützt dich.
Und jetzt hört auf, Studien zu missbrauchen, geht zu eurem Tattoo Artist eures Vertrauens, lasst euch was Neues stechen und schmiert verdammt nochmal Sonnencreme drauf.
Quellen:
JNCI: Journal of the National Cancer Institute, Volume 117, Issue 12, December 2025, Pages 2495–2504,
https://doi.org/10.1093/jnci/djaf235